Ein Hoch auf das Komma!

Jean Peaux d.L.C.d.F., um den sich diese schnittige Legende rankt und welcher in der weitläufigen Weitläufigkeit um das Hasligebirge stilsicher »Schammpo« (mit Betonung selbstverredlichst auf der ersten Silbe) genannt, war ein Landvogt, ein bailli, ein prévôt aus dem herzerwärmenden Städtchen mit dem so betörenden Namen La Chaux de Fonds. Oder eben »Laschottfo«, wie man es so zart um unser Haslital zu hauchen wusste (Betonung in diesem Fall folgerichtig auf der zweiten Silbe).
Dieser »Schammpodölaschottfo« begab sich nun eines schönen morgens im Jahre 1292 auf eine Reise, die ihn glücklicherweise auch am malerischen Niederhasli (unterhalb von Oberhasli) vorbeizuführen getat. Dabei ruhte er in einer Sänfte aus Marmor, getragen von 40 Millionen Bibern, welche im sanften Gleitschritt zu wandeln wussten, sodass der gute Schammpo ständig wegnickerte und mehr als die Hälfte seiner Reise verschlief.
So verzog sich das Ankommen seiner Schar auch immer wieder um mehrere Tage, Wochen und Monate aus dem einzigundalleinigen Grund, weil der Vogt, sauer darüber, schon wieder einen Teil der Reise verschlafen zu haben, die ganze Kompanie bis dahin zurück marschieren ließ, von wo er sich wieder erinnern konnte, vorbeigekommen zu sein, um just von da wiederum die Reise fortzusetzen. In die andere Richtung, versteht sich.
So kam es, dass die vögtliche Kompanie, obst des immer wiederkehrenden Einschlafvorganges des Oberhaupts zum ständigen Hinundherwandern gezwungen war, fürchtend, dazu verdammt zu sein, dies auf ewig tun zu müssen.
Vor seiner Abreise versäumte er auch nicht, wie es sich für einen echten Peaux nun mal gehört, dem frohlockenden Lautengeiger Fidéle dem haarigen aufzuerlegen, eine Sonate zu komponieren, welchige so »wohlklingend und fabelhaft in Melodie«, wie »lüpfig, keck und anregend im Schwung« die Prachtigkeit der vögtlichen Lauchtheit in die weite Welt hinaus posaunen sollte. Er möge sich ins Geschirr legen, bei gefallen des Sonats erwarte ihn großzügige Entlohnung. Bei Gegenteiligem allerdings der sensehantierende Gevatter mit dem dunklen Umhang. So sprach’s der Vogt und furt war er.

Als er und seine Gefolgschaft nun also nach mehreren Jahren endlich in unserem schönen Haslital ankam, konnten sich die Mitglieder der örtlichen Blaskapelle, welche zu seinem Empfang hätte aufspielen sollen, schon gar nicht mehr daran errinnern, jemals Mitglied in irgendeiner Blaskappele gewesen zu sein. Zudem hatte die Sonate, welche Fidéle der runzlige komponierte, schon längst ihre Runde als sogenannter »Hudigäggeler« gemacht, eine, etwas abwertende Bezeichnung eines Ohrwurms, den man sich, wenn es denn unbedingt sein muss, am besten möglichst betrunken zu Gemüte führt. Ein Umstand, den Jean Peaux alles andere als freudig stimmte, sah er sich doch gänzlich in seiner Ehre getränkt, äh, gekränkt.
Muffelig über diese Dreistheit des ihm viel zu fidelen Fidéle dem kratzenden, erließ er den Befehl, dessen Fidelität schleunigst zu beenden, am besten, in dem man ihn hänge, diesen Stümper im fernen Laschottfo, und zwar hurtig, er werde noch heute schön den Befehl mit Blümchen verzieren und handschriftlich das Urteil draufkritzeln, möge der schnellste Läufer seiner Horde mit Dehnübungen beginnen.
So schrieb er dann auch summend auf handgebatikte Acrotholushaut die folgenden Worte: »WARTET NICHT HÄNGEN!«.

Als der zweitschnellste Läufer in heimigen La Chaux de Fonds einlief (der schnellste lief in die falsche Richtung und konnte nicht mehr eingeholt werden), unter Tränen der Freude seiner angeheirateten Großurtante zum Geburtstag gratulierend ihr für das Trottinet (Tretroller) dankte, wobei ihm der vögtliche Befehl, den er schon längst vergessen hatte, aus der Hosentasche rutschte, fiel dem Vizevogt sofort des Vogtes Faupax (bei uns »Fopah«, Betonung auf der ersten Silbe) mit dem vergessenen Komma auf. Mitleid empfindend mit Fidéle dem flatulierenden, nutzte er die Nachlässigkeit seines direkten Vorgesetzten und fügte das Komma eigenhändig hinzu.
Und als er vom vorfreudigen Volk gefragt wurde, was denn nun sei, mit der heiteren Hängerei (man bemerke an dieser Stelle gerne den gar feinen Reim!), ließ er verlauten, er werde treu und ergeben den Befehl des Schammpo ausführen und Fidéle den riechenden NICHT hängen, stünden hier auf Saurierhaut doch deutlichst die Worte »WARTET, NICHT HÄNGEN!« und eben nicht »WARTET NICHT, HÄNGEN!«.
Und so wissen wir, die wir in der Eidgenossenheit jeden Abend mit dieser Gute-Nacht-Geschichte und einem lauwarmen Griesspudding auf dem Kopf in die Federn gehupft sind, welch große Auswirkungen vermeintlich kleine Dinge wie ein unscheinbares Komma in unserer Welt doch haben können. Und nicht nur der lüpfige Fidéle weiß, dass es auch ganz anders hätte kommen können. Ja, ja.