Was für ein schöner Tag!

»Hä!?«, schoss es aus ihm heraus, sichtlich irritiert über Superklonicos so exorbintantische Frage. Dies war nachdem er uns fragte, ob wir Zwillinge seien, was er im selben Moment auch schon bereute, überhaupt gefragt zu haben. Und wenn man bedenkt, was vorher und nachher so geschah, ist die Frage meines wunderfitzigen Klons hingehen gar nicht mehr so absurd.
Aber der Reihe nach: So standen wir also, Superklonico und ich an der Flammkuchen-Hütte, weil wir so Lust auf Flammkuchen hatten, was jedoch nicht das geringste zur Sache tut. Im Biergarten, was ebenso wenig zum Kern der Geschehnisse führt, zweifellos aber unser savuarviwrä unterstreicht, ist es nicht so? »Yo Jungs, seid ihr Zwillinge oder was?«, fragte uns die Flammkuchen-Autorität. Was Superclonico verneinte und dreisterweise behauptete, ich wäre sein Klon, worauf ich echauffiert aufstampfte und sein Ohrläppchen zupfte und zu donnern begann: »DU BIST MEIN KLON! ICH HABE DICH ERSCH…äh wie? Ja bitte, mit ZwiebelnICH KANN DICH AUCH GENAUSO GUT… äh ja, gerne Champignons, ich liiiiiebe ChampignonsICH BIN ÄH… DU BIST…. ICH HABE VERGESSEN WAS ICH SAGEN WOLL… äh nein, nicht zu scharf.«
Woraufhin Superklonico anfing mit rudernden Armen auf mich drauf zu hauen, irgendwas von sich zu kreischen und mit den Füßen Staub aufzuwirbeln, genau in meine Augen Mann! Nur schemenhaft konnte ich erkennen, wie die Ofentür zuklappte, was uns vermuten liess, dass unsere Flammkuchen bald fertig sein würden. Und so warteten wir darauf, dass unsere Flammkuchen bald fertig sein würden, als Superclonico meinte, dass dies ein prima Party-Happen sein würde, falls wir jemals auf eine Party eingeladen würden, man könne das doch ziemlich einfach selber machen. Doch bevor ich meine, obst diesem Obelisken einer Idee hochgezogene Augenbraue wieder senken konnte, gab mein Klon schon zu bedenken, dass unser Ofen wohl nicht heiss genug dafür würde.
»Wie heiss wird denn der Ofen?«. So hätten die Worte eigentlich klingen sollen, die er dem Flammkuchenmann als Frage stellen wollte. Leider musste er aber mitten im Satz kurz hüsteln, vielleicht hatte er sich verschluckt, ich weiß es nicht, jedenfalls klang die Frage mehr so in Richtung »Wie heissthustwürg denn der Ofen?«, was diesen sichtlich irritierte, und nicht nur ihn. Scheinbar fragte ihn noch niemand nach dem Namen seines Ofens. Noch nicht mal unfreiwillig. Auch ich war von dieser Frage förmlich überrascht, und konnte seinem anfänglich beschriebenen »Hä!?« und dem darufhin folgenden »Keine Ahnung, Mann!« nur zustimmen, wenn auch im Stillen. Darüber hinaus vergass ich doch glatt, dass ich ja noch sauer auf meinen wunderlichen Klon war. Beim zweiten hinhören fand ich die Frage jedoch gar nicht mehr so absurd, ganz im Gegenteil! Möchte denn nicht im Grunde jeder gerne wissen, wie der Ofen heisst, aus dem seine Pizza, Flammkuchen oder was auch immer kommt? Wer er oder sie, die Öfin eigentlich ist, und was sie sonst so tun, wenn sie nicht grade Essen öfeln. Ich jedenfalls hätte es plötzlich auch gern gewusst, wie denn nun der Ofen wohl heisse, und schaute den Flammenmann erwartungsvoll an. Den beschlich langsam aber sicher das Gefühl, sein erster Eindruck, ein ganz besonderes Duo vor sich zu haben, würde sich zusehends bestätigen, doch schien auch er sich dem feinen Geist dieser Frage nicht entziehen zu können. Schließlich wuselt er ja auch die ganze Zeit um den Ofen oder eben halt Öfin herum, wäre es da nicht angebracht, zu wissen wer das ist? Also schaute er sich nun den Ofen doch mal genauer an, von vorn, von links und rechts, drehte sich wieder zu uns um und meinte schulterzuckend, ja quasi entschuldigend, dass leider nichts draufstünde, er also leider nicht wisse, wie der Ofen nun hiesse, er hätte auch kein Namensschild. Also der Ofen. Na ja, er selber hatte auch keins, aber nach seinem Namen hatte Superklonico ja auch nicht gefragt, dass wär doch nun wirklich zu bizarr, um nicht zu sagen, ja geradezu grotesk!
Und was, Supersonico, sie Monument der Katachrese, soll uns diese Geschichte mal wieder an unermesslichen Tiefgang zu Gemüte führen, hmmm? Folgendes: Missverständnisse, lieber geneigter und treuer Leser meiner geistigen Aphorismen, machen das Leben erst zu dem was es ist, so ist es doch. Sind Missverständnisse nicht die Rollatoren unserer hinkenden Versuche zur Kommunikation? Und heben sie unser Dasein nicht auf eine höhere Ebene, die wir ohne sie niemals zu erreichen im Stande wären? Wie sonst würden wir uns solche Gedanken denn machen können?
Kurz darauf, der Streit war vergessen, saßen wir uns gegenüber, grinsten uns zu, strahlten voller Freude über unsere Flammkuchen und glucksten uns immer wieder »Du, du duuu!« zu, während wir uns dabei gegenseitig in die Wange kniffen.
Der Biergarten war brechend voll, wir saßen alleine auf unserer Bank, gefangen im Moment des Glücks. Nur mein Klon und ich. Was für ein schöner Tag!

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